Montag, April 11, 2011

Motivation

Nachdem ich jetzt schon ein paar Einträge über Wahrnehmung von Musik geschrieben habe, ein paar Worte zur Motivation. In letzter Zeit höre ich vermehrt Kommentare wie: „Die Qualität der Musik wird schlechter.“ Begründung: „Es liegt daran, dass Musik nicht mehr von Künstlern sondern von Produzenten gemacht wird.“ Oder: „Es müsste mal wieder was richtig Neues kommen. Es ist ja alles irgendwie immer das Selbe.“
Beide Aussagen zielen tendenziell in die Selbe Richtung. Die Musik wird immer stärker durchproduziert, dadurch entsteht der Wunsch nach etwas Neuem. Das mag bis zu einem gewissen Grad stimmen, allerdings liegt der Knackpunkt in der Formulierung „Die Musik“. Meiner Meinung nach gilt die Aussage nämlich nur für „Die Musik, die man hört. Die Musik, mit der man täglich konfrontiert wird.“ Meine Theorie lautet: Die durchschnittliche Qualität der Musik bleibt immer gleich, es ändert sich nur die Art wie man sie wahrnimmt.
Irgendwann hat man sich mal für eine Musikrichtung entschieden, ist mit ihr Groß geworden. Man hat sich Rituale angeeignet die zu ihr passen. Die Quellen mit denen man sich über Neuigkeiten in der Musikwelt informiert bleiben dabei jedoch die gleichen. Man geht in gewisse Clubs, weil die andern mit so genannten Kindern überlaufen sind. Man ließt, zum Beispiel die Visions, die Intro oder die Plattenempfehlungen vom Spiegel. Und auch in Sachen Web 2.0 wird man sich Quellen suchen, die nicht all zu stark von seinem momentanen Geschmack abweichen. All diese Quellen werden aber von Leuten gemacht die in einer ähnlichen Situation sind, wie man Selbst und einen deshalb auch immer Ähnliches liefern.
Sprich: Es ist nur eine Empfindung, dass alles durchproduziert ist. Die Suche nach etwas Neuem, noch nicht da gewesen, ist vermutlich ehr ein Festhalten an „seiner“ Musik, an dem Vertrauten, ein Unvermögen sich dem Neuen zu öffnen.
In der Arte Doku zu House hat Dimitri from Paris am Ende ein Beispiel: Die Baguette-Qualität in Frankreich hat irgendwann mal rapide abgenommen. Die Leute wollten es nicht mehr. Da haben die Bäcker sich hingesetzt und einfach wieder besseres Brot gemacht. Er hofft, dass in der Musik bald ähnliches passieren wird.
Das mit dem Baguette mag so passiert sein und die Analogie stimmt soweit mit meiner „for every action, there’s a reaction“ Theorie überein, die ich mal kurz angerissen hatte. Ich würde das Beispiel bezogen auf die Musikwelt jedoch folgendermaßen anpassen: Zwar ist die Baguette-Qualität tatsächlich schlechter geworden. Hinzu kommt, dass die Leute irgendwann auch kein Baguette mehr sehen konnten. Sie gehen aber weiterhin zum Bäcker ihres Vertrauens. Was sie aber nicht realisiert haben ist, dass es mittlerweile auch andere, neue Brotsorten gab, welches sie aber nicht kannten und die sie deshalb ablehnten.
Related:
  1. Life is a Remix - Heute: Klassik
  2. Das Erklärt einiges - Beobachtungen zu sogenannten Remix-Kultur.
  3. In the beginning there was Jack
  4. In the Beginning there was Jack - Part 2
Kommentar veröffentlichen