Montag, Juni 06, 2011

Ikea, Expedit & Schallplatten

Bild von DJ Moncef Belyamani
Ich weiss nicht, ob es Ikea zu dem Zeitpunkt bewusst war, dass sie mit dem Expedit, das Plattensammlerregal schlechthin auf den Markt gebracht haben.

Ja, ich habe auch eins... ein "halbes" (2x8).

Related:






(via Boing Boing)

Dienstag, Mai 31, 2011

Every pirate wants to be an admiral








Ein Kurzes Interview mit Cory Doctorow im Guardian über Piracy and Copyrights. Jeder der einen Neuen Verbreitungskanal von Medien erfindet wird von den Etablierten wegen Piraterie angeklagt... bis sich sein Modell selbst etabliert.

Musiker haben irgendwann angefangen Komositionen auf Schallplatten aufzunehmen, zum Ärgernis der Herausgeber von gedruckten Kompositionen. Als dann aber Radiostationen anfingen diese Platten zu spielen ohne dafür zu bezahlen, war das Geschrei natürlich groß: Was wir gemacht haben war Fortschritt, das im Radio zu spielen ist Piraterie. Das ganze Spiel geht dann eine Weile so weiter, bis man irgendwann beim Internet ankommt. Der Unterschied jetzt ist, laut Doctorow, das die Majors auf einmal Ernst genommen werden.

Mal abgesehen von der Frage, ob das mit dem Ernstnehmen stimmt, oder ob das nur eine Wahrnehmung ist, könnte diese Macht der Plattenfirmen darin liegen, dass die frühen Internetpiraten keine eigenen wirtschaftlichen Interessen hatten. Die Peer2Peer-Community hat ihre Sachen einfach geshared, "weil es eben ging". Oder sehe ich das jetzt falsch?

(via Spreeblick)

Donnerstag, Mai 26, 2011

What Do You Do When Your Record Collection Is Not Important Anymore?

The Return Of Vinyl (via pskf)

Als Aufhänger erstmal das Comeback des Vinyls als Infografik. Das ganze muss man aber etwas relativieren: Vinyl bleibt, obwohl wieder mehr drauf raus gebracht wird ein Liebhaberstück [1].

Ich hatte das ja schon mal erwähnt. Musik wird digital zugänglicher und fast immer und überall verfügbar. Bedeutet, bald hat jeder hat Zugriff auf so gut wie Alles. Die klassische, private Plattensammlung existiert bald nicht mehr.

Welchen Wert hat jetzt aber diese klassische Plattensammlung? (Achtung: ab hier bedeutet Plattensammlung sowohl CD- als auch Vinylsammlung.) Sie ist eine Art Spiegel des eigenen Geschmacks und damit auch der eigenen Persönlichkeit. Zeig mir deine Plattensammlung und ich sage dir, wer du bist. Jedes Teil wird sorgfältig ausgewählt. An dieser Stelle sei auf den Unterschied zwischen „collecting“ und „hording“ hingewiesen [2]. Der Collecter sammelt nur die für ihn relevanten Sachen, während der Horder alles anhäuft und leicht den Überblick verliert, vermutlich selbst mit der besten Verzeichnis- und Tagstruktur.

Platten kann man physikalisch zur Schau stellen. Den Inhalt der Festplatte hingegen sieht man nicht. Stolpere ich Zufällig über eine Platte meiner eigenen oder einer fremden Plattensammlung, wird direkt etwas durch das Artwork in meinem Kopf ausgelöst [3]. Nicht umsonst sind die Plattenverkäufe hochgegangen, als ein Herr Steinweiss das Plattencover erfunden hat [4]. Ein Dateiname kann dies nur bedingt leisten und auch mit Cover Previews ist es nicht das gleiche.

Vermutlich ist das aber alles egal. Es soll nur als kleiner Erklärungsversuch dienen, warum Vinylverkäufe leicht nach oben gehen.

Zum Schluss noch, der Song zur Frage: steaKKnife – my record collection

[1] The Vinyl Comeback, In Historical Perspective... (via create digital music)
[2] How to steal like an Artist
[3] Bytes statt Billy
[4] Wikipedia: Alex Steinweiss

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Montag, Mai 16, 2011

Sampling - Is it art or stealing?


Mini-documentary on 'sampling' circa 1988Ist Samplen Kunst oder Diebstahl? Eine Frage, die vermutlich so alt ist, wie das Samplen selbst. Oder besser, die aufkam, als man mit samplen Geld verdienen konnte.
Ein schönes Pro-Sampling-Argumente: Durch Samples wurden manche Künstler erst (wieder) bekannt. Zum Beispiel eine Frau Ofra Haza, die einen Karierschub bekam, als ihre Stimme für ein Lied von Eric B. und Rakim gesampled wurde.
Der Fresh Prince meint, dass Hipp Hop James Brown wieder zum Leben erweckt hätte. Ohne die vielen James Brown Samples wäre dieser wohl in Vergessenheit geraten, weil er finished und old war.

Was ich nicht wusste, ist dass Jimmy Castor die Beastie Boys verklagt hat. Und zwar wegen dem Ausruf "Hey, Leroy" in "Hey, Leroy, Your Mama's Callin' You". Also noch nich mal was groß musikalisches. Seltsam finde ich daran, dass er bei diesem neueren Auftitt stolz verkündet, dass "it's just begun" the quintessential Hip Hop song ist und sampled all over the world.

(via we like that)

Donnerstag, Mai 12, 2011

Breakin N Enterin


Little Dominos - Breakin n EnterinWer nach dem Video Lust hat, mehr über die Anfäge von Breakdance, Popping und Locking zu erfahren, kann das entweder en Block, dafür mit komischem deutschem Sprecher, als Breakdance Gang tun, oder ohne den Sprecher, dafür in Teilen, als Breakin N Enterin. Das ganze ist ne Doku von 1983. Es ist also viel näher dran als irgendwelchen neuen Dokus.

Was ich gerade an dem Little Dominos Video so cool finde, ist dass es, gerade wegen den Fehlern die sie machen, so echt wirkt. Die Breakdance Crews, die man Heute so sieht, sind alle so perfekt und die Moves total ausgefeilt. Da wirkt das einfach wieder frischer.

(via Kraftfuttermischwerk)

Samstag, Mai 07, 2011

Die Neunziger Jahre sind vorbei


Das Mütze Katze DJ Team vor 6.000 Groupies from Nils on Vimeo.
Meiner Meinung nach, sieht man hier ganz schön, warum man retrospektiv die neunziger Jahre gut findet. Man wird einfach nur noch mit den sogenannten Kultlieder konfrontiert. Der ganze richtigen Trash, den man schon immer nicht mochte, wird einfach ausgeblendet.
In ein paar Jahren wird es bestimmt schon die ersten 2000er Parties geben und obwohl man momentan noch über den vielen Schrott den es gab jammert, wird man sie vermutlich gut finden. Weil man ja doch auch irgendwie dabei war.
Deshalb jetzt auch noch mein Top Neunziger Lied: 2 Unlimited - No Limit

(via Gilly's Playground)


Donnerstag, Mai 05, 2011

Beatles 3000


Schöne Doku von in 1000 Jahren über die Beatles. Durch "ein wenig" Übertreibung wird das Problem mit Musikdokus gezeigt. Wie es damals wirklich war, wissen nur die, die wirklich dabei waren. Und meistens vermutlich selbst die nicht.

(via Nerdcore)

Filter Bubble Trouble


Ein TED Talk von Eli Pariser über das Problem mit so genannten Filter Bubbles. Webseiten filtern Nachrichten, je nach dem, wie man vorher mit ihnen agiert hat. Wer bei google oft nach Reisezielen sucht, bekommt auch zu Ägypten Reiseziele vorgeschlagen, auch wenn dort gerade Revolution ist. (Vergleiche auch: Die ganze Welt ist meiner Meinung.)

Auf die Musikwelt übertragen. Amazon merkt, dass ich mich für Funk Musik interessiere, also schlägt es mir ähnliche Platten vor. Bei Last.fm, lasse ich mir, auf Basis meiner gehörten Lieder, Ähnliche vorschlagen. Gleiches gilt für youtube. (Ja, youtube ist eine Musikplattform.)

Klingt irgendwie logisch, dass ich so in eine Sackgasse rein laufe, da mir irgendwann immer das Selbe angeboten wird. Interessiere ich mich für Rock, wird mir kein Algorithmus Hip Hop oder House vorlegen.

Der Mensch tendiert allerdings scheinbar dazu, sich solche Bubbles zu schaffen. Neulich war ich im Zeitschriftenladen. Was habe ich mir gekauft. Nicht etwa das Magazin über Elektro, auch nicht das Hip Hop Magazin sollte es sein. Nein, die altbekannte Visions.

Auf der Suche, nach Plattenläden in Frankfurt, wurde mir ein Laden empfohlen. Nach kurzem Überfliegen der Auslage wurde mir schnell klar: Hier findest du nicht das, was du suchst. Also bin ich weiter gezogen.

Jemand, der sich selbst als Rock Fan bezeichnet, wird in keine House Clubs oder zu Hip Hop Veranstaltungen gehen. Die einzig Wahren sind die, die Fett mit Rock werben.

Man manövriert sich also irgendwie selbst in seine kleine Bubble hinein. Natürlich, der Unterschied ist, dass man es irgendwie noch selbst in der Hand hat aus der Bubble auszubrechen, da man mit den Alternativen konfrontiert wird. Man selbst ist also der Gatekeeper, wie es im Video genannt wird. Allerdings ein sehr mächtiger!

(via Nerdcore)

(Achtung: Dies sind keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern Erklärungsversuche eines alterndem Musik-Nerds(30), der Versucht sich konservative Weltsichten bezüglich Musik seiner Altersgenossen zu erklären.)

Montag, Mai 02, 2011

Wer sind die Beatles?


Straßenbefragung zum Thema Wer sind die Beatles. Der Ersteller wundert sich darüber, dass Leute die Beatles nicht mehr kennen, mögen oder „noch schlimmer“ sich noch nie mit ihnen beschäftigt haben. Das ganze endet mit der Einblendung „I Hate Young People“. Klar, wer die Beatles nicht kennt hat eh keine Ahnung von Musik.
Deshalb jetzt meine Meinung zu den Beatles: Die Beatles waren zu ihrer Zeit wichtig, da sie Blues und Soul Musik an den Englischen/Europäischen Geschmack angepasst haben. Viel mehr haben sie aber am Anfang ihrer Karriere nicht gemacht. (Link: Coverversionen & Zitate der Beatles)
Zwar haben die Beatles eine Zeit lang viel rumexperimentiert, sind dabei aber dem Pop doch immer sehr Nahe geblieben. Deshalb mögen mehr Leute die Beatles als Beispielsweise Pink Floyd. Letztere haben viel Krassere Sachen gemacht. [1]
Meine kurze Antwort auf die Frage „Wer sind die Beatles“ lautet also: John & Paul & George & Deine Mudder

Mittwoch, April 27, 2011

Oh Dieser Sound - Vorbestellen

Die am 6. Mai erscheinende Superpunk-Tributeplatte "Oh dieser Sound - Stars spielen Superpunk" kann hier vorbestellt werden. Sie wird so verschickt, dass man sie spätestens am Release-Tag in den Händen hält.

Update 11.05.2011:

Irgendwann konnte man auch irgendwo mal in zwei oder
Hier kann man auch in drei Stücke reinhören. Vergessen wo.

Für diesen Eintrag bekomme ich von niemanden irgendwas. Ich finde man muss das Projekt unterstützen, denn es ist gut.

Montag, April 25, 2011

The Beastie Boys - Fight For Your Right - Revisited



Kurz nach der Premiere des Films im ganzen Internet. Die Beastie Boys aus der Zukunft vordern sich Selbst zu einem "Super Fresh Old School Throw Down Dance Contest From The Future" raus. Und vieles vieles mehr.

Neues Beastie Boys Album erscheint am 29.04.2011.

Trailer bzw erstes Video zu Make Some Noise: hier.
Erster Trailer: hier

(via Nerdcore und dem Rest vom Internet)

Donnerstag, April 21, 2011

Lester Bangs' Basement


Bild: Frank Gossner (Voodoofunk.com) gräbt nach Scheiben in Nigeria

Neulich einen Artikel über Lester Bangs' Basement gelesen [1]. Das ist ein Traum des Herr Lester Bangs nach einem Keller, mit jedem Album, das jemals erschienen ist. Da das Internet auf dem besten Weg ist, so etwas zu werden, werden die Konsequenzen davon besprochen:
Rare Musik wird es in Zukunft nicht mehr geben, da alles einen Mausklick entfernt liegt. Jetzt schon können man sich einstmalig rare Stücke einfach runterladen. Vorrangig von Piraten-Seiten. Zwar steht am Ende, dass er die Entwicklung nicht als schlecht sieht, ein gewisser nostalgischer Unterton ist aber natürlich zu erkennen.

Ich glaube aber, dass seine Definition von Rare nicht ganz stimmt. Die Sachen, die er nennt, sind nämlich allesamt Sachen, die eine große Fanbasis haben. Zwar gab es von vielen Stones-, Beatles- und Bob Dylan-Sachen keine offiziellen Veröffentlichungen. Aber die genannten Künstler sind ja schon im Blickpunkt des Interesses.

Rare Musik definiert sich für mich ehr darüber, dass sie eben in Vergessenheit geraten ist. Weil sie eben zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keiner hören wollte. Sprich, was bringt mir Lester Bangs' Basement, wenn ich nicht weiß was in ihm drin ist. Klar, zu dem Zeitpunkt, an dem das Stück an popkultureller Relevanz gewinnt, ist das Stück schnell im Internet verfügbar.

Das passierte ähnlich aber schon immer. Nach Bachs Tod gerieten seine Werke jahrzehntelang in Vergessenheit und wurden kaum noch öffentlich aufgeführt.[2] Die Northern Soul und Rare Groove Szene[3] gräbt ständig alten Kram aus. Sobald die Plattenfirmen von einem neuen Trendstück mitbekommen, werden Re-Issues veröffentlicht. Auch hier ist klar, dass die Piratennetzwerke das natürlich früher machen, weil sie kein wirtschaftliches Interesse haben. Northern Soul DJs haben eine Zeit lang sogar Plattenlabels überklebt, damit sie länger als einziger ihre raren Scheiben spielen konnten. Im Artikel werden auch Sachen erwähnt, die es zwar nicht als CD gibt, aber im iTunes Store. Aber wenn es iTunes nicht gäbe, würden die Sachen, meiner Meinung nach, natürlich traditionell veröffentlicht.

Fazit: Rare Sachen wird es immer geben und im Internet werden sich sicherlich auch dusty corners etablieren. Orte, die einfach keinen interessieren, bis sie eben von einer Szene entdeckt werden. Wenn diese Orte dann entdeckt sind, wird das wiederentdecken natürlich extrem beschleunigt. Die Wissensbasis alleine langt nicht. Das kulturelle Gedächtnis lebt davon, dass sich die Leute gegenseitig an die Sachen erinnern.

Zitate, Quellen und Links:
[1] What it means to have all music instantly available.
[2] Wikipedia: Johann Sebastian Bach
[3] Wikipedia: Rare Groove und Northern Soul

(via Boing Boing)

Montag, April 18, 2011

Art cannot be criticized

Neulich in den Kommentaren stand: Wobei ich auch oft Musik höre, bei der ich mir denke: Das gabs genau so schon tausend mal, und das auch noch besser. [Hugensius]

Eigentlich ein Wiederspruch, denn:

Samstag, April 16, 2011

YouTube Copyright School



Youtube und die Happy Tree Friends erklären was man alles auf Youtube machen darf und vor allem was nicht. Wenn ich mir das anschaue, denke ich nur: "Das kann so alles nicht Richtig sein". Besonders "Original Conent is what makes YouTube interesting":

Bild: Honest Logos by Victor Herz


(via Nerdcore)

Montag, April 11, 2011

Motivation

Nachdem ich jetzt schon ein paar Einträge über Wahrnehmung von Musik geschrieben habe, ein paar Worte zur Motivation. In letzter Zeit höre ich vermehrt Kommentare wie: „Die Qualität der Musik wird schlechter.“ Begründung: „Es liegt daran, dass Musik nicht mehr von Künstlern sondern von Produzenten gemacht wird.“ Oder: „Es müsste mal wieder was richtig Neues kommen. Es ist ja alles irgendwie immer das Selbe.“
Beide Aussagen zielen tendenziell in die Selbe Richtung. Die Musik wird immer stärker durchproduziert, dadurch entsteht der Wunsch nach etwas Neuem. Das mag bis zu einem gewissen Grad stimmen, allerdings liegt der Knackpunkt in der Formulierung „Die Musik“. Meiner Meinung nach gilt die Aussage nämlich nur für „Die Musik, die man hört. Die Musik, mit der man täglich konfrontiert wird.“ Meine Theorie lautet: Die durchschnittliche Qualität der Musik bleibt immer gleich, es ändert sich nur die Art wie man sie wahrnimmt.
Irgendwann hat man sich mal für eine Musikrichtung entschieden, ist mit ihr Groß geworden. Man hat sich Rituale angeeignet die zu ihr passen. Die Quellen mit denen man sich über Neuigkeiten in der Musikwelt informiert bleiben dabei jedoch die gleichen. Man geht in gewisse Clubs, weil die andern mit so genannten Kindern überlaufen sind. Man ließt, zum Beispiel die Visions, die Intro oder die Plattenempfehlungen vom Spiegel. Und auch in Sachen Web 2.0 wird man sich Quellen suchen, die nicht all zu stark von seinem momentanen Geschmack abweichen. All diese Quellen werden aber von Leuten gemacht die in einer ähnlichen Situation sind, wie man Selbst und einen deshalb auch immer Ähnliches liefern.
Sprich: Es ist nur eine Empfindung, dass alles durchproduziert ist. Die Suche nach etwas Neuem, noch nicht da gewesen, ist vermutlich ehr ein Festhalten an „seiner“ Musik, an dem Vertrauten, ein Unvermögen sich dem Neuen zu öffnen.
In der Arte Doku zu House hat Dimitri from Paris am Ende ein Beispiel: Die Baguette-Qualität in Frankreich hat irgendwann mal rapide abgenommen. Die Leute wollten es nicht mehr. Da haben die Bäcker sich hingesetzt und einfach wieder besseres Brot gemacht. Er hofft, dass in der Musik bald ähnliches passieren wird.
Das mit dem Baguette mag so passiert sein und die Analogie stimmt soweit mit meiner „for every action, there’s a reaction“ Theorie überein, die ich mal kurz angerissen hatte. Ich würde das Beispiel bezogen auf die Musikwelt jedoch folgendermaßen anpassen: Zwar ist die Baguette-Qualität tatsächlich schlechter geworden. Hinzu kommt, dass die Leute irgendwann auch kein Baguette mehr sehen konnten. Sie gehen aber weiterhin zum Bäcker ihres Vertrauens. Was sie aber nicht realisiert haben ist, dass es mittlerweile auch andere, neue Brotsorten gab, welches sie aber nicht kannten und die sie deshalb ablehnten.
Related:
  1. Life is a Remix - Heute: Klassik
  2. Das Erklärt einiges - Beobachtungen zu sogenannten Remix-Kultur.
  3. In the beginning there was Jack
  4. In the Beginning there was Jack - Part 2

Montag, April 04, 2011

Life is a Remix - Heute: Klassik

Am Wochenende waren wir im Sinfoniekonzert. Im Programmheft stand zu Brahms:
Brahms Musik ist durch feste, klare Formen charakterisiert, die oft klassischen Mustern folgen – und dies zu einer Zeit, als viele Komponisten sich von strengen formalen Strukturen lösten, die sie als einengend empfanden.
Schon in einem früheren Konzert ist mir eine ähnliche Passage im Heft aufgefallen, die ich aber leider nicht mehr vorliegen habe. Dort war von den Einflüssen von Ungarischen Tänzen auf Tschaikowskis Werke die Rede. Das ganze passt ja ganz gut zur Everything is a Remix Theorie, mit der ich mich ja gerade beschäftige. Diese besagt, dass alles Neue, Kreative ein Produkt aus altem ist.
In der Pause dann kamen wir auch auf das Thema und die Aussage: Bach war so Innovativ und hat Sachen gemacht, die Teilweise erst 200 Jahre später offiziell erfunden wurden. Das mag jetzt vielleicht auf den ersten Blick als Gegenargument gelten, jedoch hat auch Bach auf dem Alten aufgesetzt. Wie gesagt, ich bin kein Musikwissenschaftler, und erst Recht kein Klassikfachmann und ich hoffe, dass ich mich hier nicht zu weit aus dem Fenster lehne. Es folgen Zitate einer kurzen Bach-Wikipedia-Recherche.
Von Jugend auf studierte Bach die Werke unterschiedlichster Komponisten und lernte aus ihnen durch Hören, Lesen, Abschreiben, Transkribieren, Bearbeiten und Nachahmen der Musik sowie durch die Übernahme von kompositorischen Mitteln, Formen und Gattungen. […] In Bachs vielfältigem Werk treffen sich Einflüsse aus der Musik Mittel-, Nord- und Süddeutschlands bzw. Österreichs sowie Frankreichs und Italiens, wobei sich die regionalen Traditionen gegenseitig beeinflusst haben. [1]
Mit Ausnahme der Oper komponierte Bach Werke in allen zu seiner Zeit verbreiteten musikalischen Gattungen. [2]
So weit die Grobübersicht.
Der Text basiert auf dem 26. und 27. Kapitel des Matthäus-Evangeliums in der Übersetzung Martin Luthers sowie auf Dichtungen von Christian Friedrich Henrici (genannt Picander) und Barthold Heinrich Brockes, dazu kommen die Passionschoräle. [3]
Die Texte der Arien sowie der Chöre in den Sätzen 1, 22 und 39 entstammen weder der Bibel noch überlieferten Kirchenliedern. Ihr Verfasser ist unbekannt und die Bach-Forschung geht davon aus, dass diese frei hinzugedichteten Texte nicht von einem einzigen Librettisten stammen. Insbesondere gibt es keine gesicherten Hinweise darauf, dass Bach selbst ihr Autor wäre. [4]
Gut, das waren jetzt Hauptsächlich Texte. Aber immerhin, die Bibel als starke Inspirations- und Textquelle.
Für die äußere Form der Nummern 1, 2 und 3 diente Bach eine Missa brevis (Kyrie und Gloria in g-Moll) von Johann Hugo von Wilderer (1670-1724) als Vorlage, von der er sich eine Abschrift, wahrscheinlich 1731 in Dresden, angefertigt hatte. [5]
Sein Verfahren der Choralbearbeitung, das auf Vorbilder wie etwa Dietrich Buxtehude zurückgeht, führt zu eher kurzen Einzelsätzen, deren Form durch die Abfolge der Choralzeilen bestimmt wird. [6]
Das nächste ist etwas tricky, da sich Bach hier scheinbar selbst als Vorlage nimmt. Trotzdem ist es in diesem Zusammenhang wichtig: Das Parodieverfahren. Als Parodie wird hier ein Umschreiben vorhandener, weltlicher Werke in ein geistliches Werk verstanden.
Die Musik komponierte Bach nur zum Teil neu. Viele Chöre und Arien entnahm er zuvor entstandenen weltlichen Werken […]Wahrscheinlich hatte Bach bei der Komposition der Vorlagen die künftige Verwendung schon im Blick […] Vorhandene Stücke im Parodieverfahren wieder zu verwenden, war zu Bachs Zeit keine Seltenheit. Dahinter stand die Überzeugung von der Einheit geistlicher und weltlicher Musik. […] Eine wertende Unterscheidung zwischen Original und Bearbeitung war den Komponisten des Barock fremd. In der Sturm-und-Drang-Zeit und der ihr folgenden Romantik wurde das Bild vom künstlerischen Originalgenie herrschend, das in unvermittelter Inspiration das Einmalig-Große schafft. Noch nach der Mitte des 20. Jahrhunderts empfanden führende Musiker die nicht-originäre Entstehungsweise des Weihnachts-Oratoriums als peinlich. [7]
In Everthing is a Remix gibt es noch den Teil: From the sampler to the sampled. Das ganze gibt es auch bei Bach. Zum Beispiel bei der Kunst der Fuge. Das wird jetzt etwas lang, deshalb muss man hier selbst in der Wikipedia nachlesen: Die Kunst der Fuge - Kompositorische_Adaptionen
So damit möchte ich Schließen. Nur um das klarzustellen, es geht mir nicht darum irgendwelche Werke oder die Kreativität von Komponisten zu mindern. Im Gegenteil, die Aussage ist, für einen kreativen Prozess muss man das Vorhandene studieren, imitieren und dadurch erweitern.
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Freitag, April 01, 2011

Talent borrows, Genius steals

Austin Kleon hat eine Paar Weisheiten darüber aufgeschrieben, wie man ein guter Künstler wird:
HOW TO STEAL LIKE AN ARTIST (AND 9 OTHER THINGS NOBODY TOLD ME)
Der Beitrag selbst hat zwar erstmal nichts mit Musik zu tun. Was er dort schreibt, lässt sich aber natürlich auch auf Musik anwenden.

Die wichtigste Aussage: Jede neue Erfindung ist eine Erweiterung von etwas alten. Oder anders: Man kann das Rad nicht immer neu erfinden. Oder noch besser: Das Rad ist auch nicht vom Himmel gefallen.

Die anderen Tipps die er hat, sind auch sehr schön. Fake it 'till you make it. Heisst so viel wie: Wenn du ein Künstler sein willst, sei ein Künstler.

(via Drawn! The Illustration and Cartooning Blog)

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Mittwoch, März 30, 2011

In the Beginning there was Jack - Part 2


So, nach meinem kleinen Ausflug, wie die Entstehung der House-Musik nicht war, hier jetzt wie Arte sich das ganze vorstellt. Welcome To The 80´s -- House-Nation und Acid-Partys

Hi-NRG, Chicago House, Acid House, Italo Disco, Freestyle oder Techno sind allesamt Fortsetzungen von Disco mit neuen Mitteln. Die DJ-Culture wird zur treibenden Kraft der 80er.
[...]
Afrika Bambaataas Vorliebe für Kraftwerk führt dazu, dass ein neues Genre geboren wird: der Electro. [Arte]

Sehr interessant, auch für nicht House-Freund. Bin ja selbst kein Richtiger. Denke ich werde die Tage noch ein wenig davon kommentieren/zitieren.

(via Nerdcore)

Mittwoch, März 23, 2011

In the Beginning there was...


In the beginning there was Jack, and Jack had a groove. So besagt es die Legende der Entstehung der House Musik. Irgendwann hat also mal ein Herr Jack die Housemusik erfunden.
Wo die Geschichte über Jack noch relativ leicht als fiktiv zu erkennen ist, ranken sich um manch andere Gruppen auch Mythen.
Und eben unser Freund Jack (Frankie Knuckles im Warehouse) die House-Musik. Boof Baff Blitz Donner: House.
Auf der Wikipedia-Seite zu House kann man aber sehr schön lesen:
Die musikalischen Ursprünge des House liegen in der Disco-Musik der späten 1970er, […]Schon damals war es üblich, dass die Disco-Maxis Club-Mixes enthielten – das bedeutete im Normalfall, dass ausgedehnte, auf den Rhythmus konzentrierte Instrumentalpassagen vorhanden waren. Knuckles stellte fest, dass gerade diese Rhythmusteile die Gäste in Ekstase versetzten, und begann damit, nur noch sie ineinander zu vermischen und den Rest der Platte wegzulassen.
Sprich, die Übergänge von Disco zu House sind sehr sehr fließend und neben Frankie Knuckles werden vermutlich noch viele weitere Leute diese Entdeckung gemacht haben. Disco und House existierten also eine ganze weile nebeneinander bis jemand überhaupt erst den Namen House dafür verwendet hat.
Ähnliches kann man eigentlich über jede Musikrichtung finden. Trotzdem scheint man das Bedürfnis zu haben jeder Musikrichtung einen Erfinder zuzuweisen.
(Achtung: Dies sind keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern Erklärungsversuche eines alterndem Musik-Nerds(30), der Versucht sich konservative Weltsichten bezüglich Musik seiner Altersgenossen zu erklären.)
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Montag, März 14, 2011

Why is Vinyl special to you?!

Leute auf einer Plattenmesse erklären, warum Vinyl wichtig für sie ist.


Why is vinyl special to you? from Dave Allen on Vimeo.

Mit den meisten Meinungen gehe ich konform: Ritualisierung, Bewuster hören, die Freude wenn man eine Platte bekommt, Crate Digging. Das mit dem wärmeren Sound finde ich persönlich nicht. Diese Meinung steht aber auch nicht so im Vordergrund.
Schönes Video.

(via Kotzendes Einhorn)